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Erschöpft! Ei oder Henne?

Erschöpft! Ei oder Henne? Posted on 16. April 2018

GHC TV, Erschöpft! Ei oder Henne?, 37 Minuten, Juni 2017

Das Thema „Erschöpfung“ gibt der Medizin nach wie vor Rätsel auf. Auf der Suche nach Ursachen wird immer wieder die klassische Gretchenfrage diskutiert: Was war zuerst? Sind es externe Umstände, die eine Erschöpfung bedingen, oder liegt das Problem im Körper, der zu schwach ist, um adäquat auf den normalen Alltag reagieren zu können? Längst vermutet man hinter dem weiten Spektrum erschöpfungsbedingter Krankheitsbilder auch somatische Störungen des Stoffwechsels, die ihren Ursprung in einem wortwörtlich aus dem Gleichgewicht geratenen Organismus haben. In der Sendung auf German Healthcare TV diskutiere ich zusammen mit Regina Elisabeth Hage, die in ihrer Praxis vor allem psychotherapeutisch arbeitet, ob bei Erschöpfung ein psychologischer Erklärungsansatz ausreicht, oder ob auch organische Ursachen Auslöser für die Erschöpfung sein können.

Jeder von uns Therapeuten hat seinen ganz individuellen Blickwinkel. Ich beispielsweise schaue, ob der Mensch über die somatischen Instrumente des Stoffwechsels verfügt, um bestimmten Herausforderungen oder Situationen angemessen, also körperlich fit und energetisch kräftig, zu begegnen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann ebenso wie ein Eisenmangel ein Grund sein, dass sich jemand erschöpft fühlt. Wenn ich als Ärztin über den Stoffwechsel und dessen Regulation helfe, das zelluläre Energieniveau zu steigern, aber die äußere Konfliktsituation weiterhin viel Kraft kostet, erweist sich das als wenig effizient. Insofern lässt sich sagen, ich verschaffe dem Körper die Kraft zu funktionieren und die Psychotherapeutin hilft, sinnvoll mit dieser Kraft umzugehen. Das ist eine ideale Arbeitsteilung.

Der Umgang mit der Erschöpfung bleibt für die Medizin auch in Zukunft eine große Herausforderung. Im Rahmen einer entsprechenden Therapie müssen beide Bereiche, die psychologische und die somatische Ebene, berücksichtigt und gegebenenfalls behandelt werden. Vor allem wenn der Erfolg bei Behandlung ausbleibt, muss man daran denken, dass es immer noch die andere Seite gibt, über die im System „Mensch“ ein Zugang geschaffen werden kann.